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Pater Michael Rohde CPPS

Segen verbindet und schafft Vertrauen, so haben wir die letzte Woche begonnen. Menschliche Gemeinschaft offenbart aber auch immer Grenzen ... die Schwächen, die da sind oder verschiedene Denk- und Sichtweisen, unterschiedliche Ziele und Methoden, wie das Gewünschte erreichen. Zusammensein geht nicht ohne Auseinandersetzung und ist nicht konfliktfrei und es darf ja auch nichts einfach schön geredet werden.

 

Psalm 37 stellt uns einen Beter vor, der diese Erfahrung macht. Dieser wird zornig ob der Differenzen zwischen Menschen, ob der Ungerechtigkeit in Sachen Erfolg und Anerkennung. Und er hört Gottes Antwort:

Steh ab vom Zorn und lass den Grimm; / erhitze dich nicht, es führt nur zu Bösem.

 (Ps 37,8)

 

Ein Aspekt von Vertrauen ist die Gelassenheit. „Ein gelassenes Herz bedeutet Leben für den Leib“, so heißt es im Buch der Sprichwörter (Spr 14, 10).

Gelassenheit kühlt jedweden Zorn, Gelassenheit überwindet Enttäuschungen und Ängste.

Von Reinhold Niebuhr stammt ein Gelassenheitsgebet, das uns in dieser Woche begleiten kann:

 

Gott, gib mir

die Gnade, mit Gelassenheit Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,

den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann

und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Eine gute Woche

Michael

Schule beginnt und damit gehen auch die Montagsmeditationen wieder an den Start. Für alle, die aus den Ferien kommen einen guten Beginn.

Nach den Ferien, das ist so etwas wie Neujahr oder der Beginn eines neuen Weges.

Die Evangelisten zeigen uns dabei, dass es nicht um einen theoretisch vorgeplanten Weg geht. Der Neue Weg, die Gute Nachricht Evangelium passiert mitten zwischen den Menschen ... mit Leib und Seele da sein.

Die ersten Schritte auf einem Weg sind immer die wichtigsten. Da entscheidet sich, wie der ganze Weg wird.

 

Drei mögliche Schritte könnten sein:

1. Das Auge ist das Fenster der Seele (Leonardo da Vinci) ... Ferien waren hoffentlich so etwas wie ein Fensterputz ... Neues und Anderes sehen und den Blick wieder frei bekommen, das Gute jetzt auch im anderen wieder neu sehen.

 

2. Das Ohr ist der Weg zum Herzen (frz. Sprichwort) ... Sprache ist nicht nur informativ, Sprache ist auch Klang ... die Zwischentöne wahrnehmen, den anderen mit seiner Freude oder auch mit seinem Stress und seiner Not

 

3. Vergebung: Es geht nicht um alte Schuld oder offene Rechnungen, sondern sich selbst neu an die anderen vergeben, Platz machen für das Neue dieses Jahres

 

 

Ich wünsche uns die Freiheit, diese drei Schritte für jeden Tag in diesem Schuljahr, dass sich Gutes weiterentwickeln und auch neue entwickeln kann ... zum Wohl eines jeden von uns und zum Wohl der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen

In zwei Wochen ist es wieder so weit ... Da schicken wir unsere zukünftigen Abiturienten auf Spurensuche nach Erfurt und Weimar. Es geht um Gottes Spuren in konkreten geschichtlichen Epochen und Situationen ... Sammeln, auswerten, ja und es geht auch darum Gottes Spuren im eigenen Leben zu erkennen und zu reflektieren: Kulturexerzitien. Die Jugendlichen sollen einem Gott näher kommen, der in menschlicher Geschichte erfahrbar wird. Nichts liegt näher, als den zu Wort kommen zu lassen, der die goldene Ära in Sachen Kultur in dieser Region und überhaupt in unserem Land entscheidend mit geprägt hat – Johann Wolfgang von Goethe:

„Alles, was uns begegnet, lässt Spuren zurück!“

 

Alles hinterlässt seine Spuren und formt oder verformt Leben ... unter einer Voraussetzung: es braucht eine bestimmte Weichheit, damit sich Spuren eindrücken lassen. Dagegen steht die Verhärtung des Herzens, die in vielen biblischen Geschichten und Gebeten zur Sprache kommt.

 

Kein Psalm, kein biblischer Text ... Wolf Biermanns Lied, das er zur Feierstunde der 25 Jahre deutsche Wiedervereinigung im deutschen Bundestag vorgetragen hat ...

 

Du, laß dich nicht verhärten
in dieser harten Zeit.
Du, laß dich nicht verbittern
in dieser bittren Zeit.
Du, laß dich nicht erschrecken
in dieser Schreckenszeit.
Du, laß dich nicht verbrauchen,
gebrauche deine Zeit.
(nach Wolf Biermann, Ermutigung, voller Text: http://www.songtexte.com/songtext/wolf-biermann/ermutigung-6bfa2656.html)

 

 

Ich wünsche uns für diese Woche besonders Achtsamkeit darauf, das eigene Herz weich zu bewahren, empathiefähig zu sein ... damit das Leben und damit Gott darin seine Spuren hinterlassen und formen kann.

Der Historiker Karl Holl hat sich mit Friedensforschung und dem menschlichen Bemühen um Glück und ein gutes Leben beschäftigt. Er wird an einer Stelle so zitiert: „Es gibt immer einen Punkt, wo wir wagen (entscheiden) müssen. Und wir würfen wagen!“

 

Es war einmal ein Zentaur, der war, wie alle Zentauren, Halb Mensch und halb Pferd.
Eines Nachmittags,, während er so über die Wiese trottete, überkam ihn Hunger.
„Was soll ich essen? „ dachte er. „Einen Hamburger oder Klee? Klee oder einen Hamburger?“
Und da er sich nicht entscheiden konnte, aß er nichts.

Die Nacht brach herein, und der Zentaur wollte schlafen gehen.
„Wo soll ich wohl schlafen?“ dachte er. „Im Stall oder im Hotel? Im Hotel oder im Stall?“
Und weil er sich nicht entscheiden konnte, schlief er nicht.

Weil er weder aß noch schlief, wurde der Zentaur krank.
„Wen soll ich bloß herbeirufen?“ dachte er. „Einen Arzt oder einen Veterinär? Einen Veterinär oder einen Arzt?“
Und weil er sich nicht entscheiden konnte, wen er herbeirufen sollte, starb der Zentaur an seiner Krankheit.

Die Leute im Dorf besahen sich den Leichnam und hatten Mitleid mit ihm.
„Wir müssen ihn begraben“, sagten sie. „Nur wo? Auf dem Dorffriedhof oder auf dem Feld? Auf dem Feld oder auf dem Dorffriedhof?“
Und weil sie sich nicht entscheiden konnten, fragten sie den Erzähler der Geschichte, und weil der nicht an ihrer Statt entscheiden konnte, rief er den Zentaur ins Leben zurück.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

 

 

Gehen oder bleiben? Nach links oder rechts abbiegen? Oder doch weiter geradeaus? Auf unseren Wegen sind wir oft vor die Wahl gestellt. – Es müssen Entscheidungen getroffen werden.

 

Entscheidung ... griechischκρισις(Krise) ... Und es stimmt, oft entscheiden wir erst, wenn es kritisch wird. Und oft genug sind diese Entscheidungen ausschließend: ein Ja zur einen Seite bedeutet Nein zur anderen. Wir geben etwas auf.

 

Biblische Geschichten werben immer wieder für mutige Entscheidungen im Vertrauen auf einen Gott, der begleitet und mitträgt. Paulus sagt es deutlich: Ich habe mich in Christus für diesen Gott entschieden ... was ich dabei verliere, das wird mir zum Gewinn!

 

Ich wünsche uns in dieser Woche den Mut zu wagen und das Vertrauen im Sinne Gottes, aus seinem Geist heraus Entscheidungen zu treffen und zu tragen.

Worauf sollen wir hören?

Worauf sollen wir hören, sag uns worauf?
So viele Geräusche — welches ist wichtig?
So viele Beweise — welcher ist richtig?
So viele Reden — ein Wort ist wahr.

Wohin sollen wir gehen, sag uns wohin?
So viele Termine — welcher ist wichtig?
So viele Parolen — welche ist richtig?
So viele Straßen — ein Weg ist wahr.

Wofür sollen wir leben, sag uns wofür?

So viele Gedanken — welcher ist wichtig?

So viele Programme — welches ist richtig?

So viele Fragen — die Liebe zählt.


Lothar Zenetti, Neukrichener Kalender 18.03.09

Montagsgedanken schon am Freitag ... ich bin nächste Woche mit einer Schulklasse unterwegs und muss also etwas vorarbeiten ...

Liebe Grüße

Michael

„Vom Wasser haben wir es gelernt ... das Wandern“ ... so heißt es in einem unserer Volkslieder. Oft wird menschliches Leben wie dahinfließendes Wasser beschrieben. Es geht unaufhaltsam voran, lässt sich nicht aufhalten.

Und doch hinkt dieser Vergleich ... Wasser sucht sich normalerweise den Weg des geringsten Widerstandes und ... Wasser fließt nie bergauf, immer nur bergab.

Wir können auf unseren Lebenswegen wählen ... auch mal den schwereren Weg.

 

„Die Würde des Menschen, scheint mir, besteht in der Wahl!“ ... so sagt Max Frisch.

 

Knackpunkt in unserem Leben sind nicht falsche Auswahl oder falsche Entscheidungen ... da lässt sich meist etwas korrigieren. Knackpunkt ist unsere Scheu vor Wahl und Entscheidung. Die Versuchung ist, alles einfach laufen zu lassen. Leben passiert dann.

Schon die biblischen Beter kennen diese Situation und sie beten, dass Gott Orientierung gebe, dass er Mut zur Entscheidung und seinen Geist zur rechten Wahl gebe. „Lehre mich Herr deine Pfade und zeige mir deine Wege!“, so betet der Psalmist. Dem König Salomon wird die Bitte um Weisheit zugeschrieben. Er bittet um Weisheit und Mut, dass er sein Leitungsamt gerecht und vor allem menschengerecht ausüben kann.

Wir dürfen uns mit den Betern aller Zeiten verbinden. Ich wünsche uns eine Woche mit dem Mut zu entscheiden und dem Mut Entscheidungen durchzutragen oder zu korrigieren, wo es nötig ist.

Wer um Schatten auf seinen Wegen zu scheu herumgeht, geht nicht weit. 

(Wilhelm Raabe)

 

„ Es war einmal ein Mann, den verstimmte der Anblick seines eigenen Schattens so sehr, der war so unglücklich über seine eigenen Schritte, dass er beschloss, sie hinter sich zu lassen. Er sagte zu sich: „Ich laufe ihnen einfach davon.“ So stand er auf und lief davon. Aber jedes Mal, wenn er seinen Fuss aufsetzte, hatte er wieder einen Schritt getan, und sein Schatten folgte ihm mühelos. Er sagte sich: „Ich muss schneller laufen.“ Also lief er schneller und schneller, lief so lange bis er tot zu Boden sank. Wäre er einfach in den Schatten eines Baumes getreten, so wäre er seinen Schatten losgeworden, und hätte er sich hingesetzt, so hätte es keine Schritte mehr gegeben. Aber darauf kam er nicht. (von Dschuang Dse nach Anselm Grün)

 

Ja, geht es ist Ihnen nicht manchmal auch so, dass sie davonlaufen möchten. Wie oft habe ich den Seufzer schon gehört: „Es ist zum Davonlaufen!“ Aber von was davonlaufen und wohin können wir den laufen? Der Mann in der Geschichte läuft vor seinem eigenen Schatten davon, weil er sich offenbar von ihm verfolgt fühlt. Aber dass er den Schatten nur loswerden kann, indem er sich unter einen andern Schatten stellt, das hat er nicht begriffen.

Schatten können ja auch sehr wohltuend und beschützend sein, gerade in heissen Tagen, da kann man es zum teil nur im Schatten aushalten. Aber Schatten können auch bedrohlich sein, wenn wir die Ursache des Schattens nicht kennen.

In den Psalmen lesen wir viele Gebete, in denen von Schatten die Rede ist. Gott bietet sich da als Schutz und Schatten an. So zum Beispiel in Psalm 91,1:

„Wer im Schutz des Höchsten wohnt und ruht im Schatten des Allmächtigen,
der sagt zum Herrn: Du bist für mich Zuflucht und Burg, mein Gott, dem ich vertraue.“
Oder in Psalm 121 „Der Herr ist dein Hüter, der Herr gibt dir Schatten; er steht dir zur Seite.“

Wir müssen nicht vor dem eigenen Schatten davonlaufen, sondern können uns im Schatten des ewigen Gottes bergen, dann kann uns der eigene Schatten nicht verfolgen und wir brauchen nicht davonzulaufen.

Datum:14.07.2006
Autor: Roman Angst
Quelle: Bahnhofkirche Zürich(http://www.jesus.ch/themen/glaube/andachten/impuls_heute/130024-dem_schatten_kannst_du_nicht_entfliehen.html)

Mit lieben Grüßem für die neue Woche

Michael

Für jeden Menschen existiert ein besonderer Weg

(Leo Tolstoi)

 

Im Rückblick stellt sich immer wieder mal die Frage: „Was wäre, wenn ich an wichtigen Punkten anders entschieden hätte?“ Immer wieder drängt sich der Vergleich mit anderen auf ... „Was wäre, wenn ich so wie der oder die gegangen wäre?“ Nicht selten macht sich dann Unzufriedenheit und Unsicherheit breit. Ja, was wäre wenn ...?

Mein Lebensweg ist einmalig und nicht wiederholbar und es lässt sich nur etappenweise korrigieren, aber eben niemals ganz neu aufrollen.

Ich bin herausgefordert mit dem zu leben, was sich entwickelt hat und was Leben aus mir gemacht hat.

Gott sagt uns Menschen, dass er mit uns geht, dass er unser Lebensprojekt von Anfang an bis zum Schluss hin begleitet. „ICH BIN DA!“

Ich darf vertrauen, dass mein Lebensweg, so wie er bisher gegangen ist, zu einem Ziel hinführt.

Mein Weg ist mein Weg, ist mein Weg
und kein Schritt führt dich jemals mehr zurück
mein Weg ist mein Weg, ist mein Weg
mit Schatten und mit Tränen
mit Lachen und mit Glück
mein Weg ist mein ureigener Weg

(Klaus Hoffmann)

 

 

Ich wünsche uns Vertrauen für die Wege dieser Woche und die zuversichtliche Gewissheit, dass der eigene Weg Sinn macht und einzigartig ist.

Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie. Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen. Dann sprach Gott: Hiermit übergebe ich euch alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen, und alle Bäume mit samenhaltigen Früchten. Euch sollen sie zur Nahrung dienen.

Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut. Es wurde Abend und es wurde Morgen: der sechste Tag.  (Gen 1, 27-29.31)

 

Ich stolpere bei diesen Versen aus dem Schöpfungsbericht immer wieder ...

Vermehrung, Frucht bringen ... geht es da allein um Quantität?

Unterwerfung ... Macht und Dominanz und Ausbeutung?

 

Der Autor dieses Schöpfungsberichtes, er sagt: Gott sah, dass alles sehr gut war! Da kommt mehr als Quantität zum Ausdruck, es geht um Qualität. Schöpfung ist nicht einfach fertig, sie hat aber Qualität. Die gilt es zu bewahren und zu sichern. Es geht also um Lernprozesse. Der Mensch hat den Auftrag den Umgang mit sich selbst und der ihm anvertrauten Welt zu lernen.

 

Lehren und Lernen, das ist das Kerngeschäft all unseres Tuns. Dazu betont der Humanist Wilhelm von Humboldt: „Der Mensch muss am längsten lernen, weil er am meisten zu lernen hat!“

Philosophie und Theologie haben im Laufe ihrer Geschichte das Bild vom Menschen als absoluter Krone der Schöpfung relativiert. Der Mensch ist hineingeworfen in diese Welt ... ohne absolut funktionierende Instinkte oder perfekte Schutz- und Aberwehrmechanismen. Es ist immer wieder nötig zu lernen, um auch Welt zu gestalten. Es ist nötig Lebensgeist zu empfangen und auszubilden, um dem Leben Qualität zu geben. Und es bleibt immer der Hunger oder die Sehnsucht, dass es noch nicht reicht.

 

Diese Woche lädt uns ein, unser eigenes Lernen und auch Lehren neu zu reflektieren ... damit Leben gut bleiben und besser werden kann.

Liebe Grüße

Michael

Auf der Suche nach Glück und Zufriedenheit ....

Es kamen einmal ein paar Suchende zu einem alten Zenmeister.

„Meister", fragte einer von ihnen „was tust du, um glücklich und zufrieden zu sein? Ich wäre auch gerne so glücklich wie du."

Der Alte antwortete mit mildem Lächeln: „Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ich und wenn ich esse, dann esse ich."

Die Fragenden schauten etwas betreten in die Runde. Einer platzte heraus: „Bitte, treibe keinen Spott mit uns. Was du sagst, tun wir auch. Wir schlafen, essen und gehen. Aber wir sind nicht glücklich. Was ist also dein Geheimnis?"

Es kam die gleiche Antwort: „Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ich und wenn ich esse, dann esse ich."

Die Unruhe und den Unmut der Suchenden betrachtend, fügte der Meister nach einer Weile hinzu: „Sicher liegt auch Ihr und Ihr geht auch und Ihr esst. Aber während Ihr liegt, denkt Ihr schon ans Aufstehen. Während Ihr aufsteht, überlegt Ihr, wohin Ihr geht und während Ihr geht, fragt Ihr Euch, was Ihr essen werdet. So sind Eure Gedanken ständig woanders und nicht da, wo Ihr gerade seid. In dem Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft findet das eigentliche Leben statt. Lasst Euch auf diesen nicht messbaren Augenblick ganz ein und Ihr habt die Chance, wirklich glücklich und zufrieden zu sein."

nach einer zenbuddhistischen Parabel

 

Am Beginn dieser Woche sind wir eingeladen, uns auf die vielen kleinen Momente, die jeder Tag mit sich bringen wird, einzulassen.

Erinnerung ist das Geheimnis von Erlösung!

Wenn ich mich erinnere, wie ich oder andere Situationen in der Vergangenheit bewältigt haben, dann kann das zu Lösungen im Heute führen.

In den letzten Tagen haben wir uns erinnert:

Der Reformationstag verweist auf die große Geschichte ... mit der die meisten Menschen nur wenig zu tun zu haben scheinen, in der der einzelne Mensch eher wie ein Spielball der Ereignisse wirkt.

Die Erinnerung an die Verstorbenen rückt viele kleine, aber uns doch berührende und betreffende Geschichten in den Blickpunkt.

Geschichten sind nicht einfach Vergangenheit, sie werden lebendig im Hören und Erzählen. Aber, nicht alle Geschichten tun mir gut ... es gibt auch Erinnerungen, die mich lähmen und zu fesseln scheinen ... z.B. die Erinnerung an Schuld und Versagen ...

 

Wo stehe ich in der großen und den kleinen Geschichten? Wem erzähle ich meine und die Geschichten anderer?

Ich fühle mich verbunden mit den Propheten, die nach ihrem Weg und ihrer Sendung suchten.

Der Herr öffnete mir das Ohr, damit ich höre wie ein Jünger (Jes 50, 4)

Der Herr öffnete mir den Mund, damit ich rede wie ein Jünger.

Es gilt Erinnerungen zu unterscheiden, mit dem richtigen Ohr hinzuhören und auch die richtigen Worte beim Erzählen zu finden.

Ich bin hier, um in Dialog mit der Welt und den vielen Geschichte zu treten und als Lernender Antwort zu geben.

Die vielen kleinen Geschichten ergeben die eine große Geschichte der Menschen. Es gibt nicht den fertigen Lebensplan, den ich einfach hernehmen und ableben und abhaken kann.

Jeder Augenblick des Lebens will mir etwas sagen. (Friedrich Nietzsche)

Und jeder Augenblick fordert meine Antwort, damit Geschichte entsteht.

 

Ich wünsche uns in dieser Woche Sinne, die für Augenblicke aufmerksam werden und Botschaft des Lebens wahrnehmen und ich wünsche uns den Mut Geschichten zu erzählen und eigene zu schreiben.

Wir sind in der dunklen Jahreszeit angekommen ... passend dazu die Gedanken einer Kerze!

Ich wünsche uns allen eine Woche in der wir Licht für die Nächsten sein können.

Gedanken einer Kerze

 

«Jetzt habt ihr mich entzündet und schaut in mein Licht. Ihr freut euch an meiner Helligkeit, an der Wärme, die ich spende. Und ich freue mich, dass ich für euch brennen darf. Wäre dem nicht so, läge ich vielleicht irgendwo in einem alten Karton - sinnlos, nutzlos. Sinn bekomme ich erst dadurch, dass ich brenne.

Aber je länger ich brenne, desto kürzer werde ich. Ich weiß, es gibt immer beide Möglichkeiten für mich: Entweder bleibe ich im Karton - unangerührt, vergessen, im Dunkeln - oder aber ich brenne, werde kürzer, gebe alles her, was ich habe, zugunsten des Lichtes und der Wärme. Somit führe ich mein eigenes Ende herbei.
Und doch, ich finde es schöner und sinnvoller, etwas herzugeben zu dürfen, als kalt zu bleiben und im düsteren Karton zu liegen....

Schaut, so ist es auch mit euch Menschen!
Entweder ihr zieht euch zurück, bleibt für euch - und es bleibt kalt und leer-, oder ihr geht auf die Menschen zu und schenkt ihnen von eurer Wärme und Liebe, dann erhält euer Leben Sinn. Aber dafür müsst ihr etwas in euch selbst hergeben, etwas von eurer Freude, von eurer Herzlichkeit, von eurem Lachen, vielleicht auch von eurer Traurigkeit.
Ich meine, nur wer sich verschenkt, wird reicher. Nur wer andere froh macht, wird selbst froh. Je mehr ihr für andere brennt, um so heller wird es in euch selbst. Ich glaube, bei vielen Menschen ist es nur deswegen düster, weil sie sich scheuen, anderen ein Licht zu sein. Ein einziges Licht, das brennt, ist mehr wert als alle Dunkelheit der Welt.
Also, lasst euch ein wenig Mut machen von mir, einer winzigen, kleinen Kerze.»

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