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Geh und handle....

Die Beispielgeschichte vom barmherzigen Samariter (Lk 10, 29-37).

"Ein Mensch ging von Jerusalem nach Jericho hinab." – Die vertraute Geschichte. Und der alte Stachel: dass es eben nicht die Frommen waren, die einen Blick für den Verletzten hatten; nicht die, von denen man zu Recht Hilfe hätte erwarten dürfen. Der von den Nationalsozialisten ermordete Jesuit Alfred Delp (Die Zukunft der Kirche) stellte einmal fest, dass wir Christen "uns an einem toten Punkt befinden". Denn, so sagt er, "noch immer liegt der ausgeplünderte Mensch am Weg." "Wird es noch einmal der Fremde sein, der den Verletzten aufhebt?" Der ausgeplünderte Mensch, der noch immer hilflos und entrechtet daliegt!

Es dürfte nicht schwer fallen, ihn auch an den Wegrändern unserer modernen Gesellschaften zu entdecken. Die Verantwortlichkeiten sind Legion. Ein immer brutaler agierender Kapitalismus und der Primat wirtschaftlicher Interessen; das stete Kreisen um das eigene Ich und die Härte des Herzens; das Recht des Stärkeren und das Schmelzen ethischer Normen. Stichworte reichen; wir wissen, was gemeint ist. Die Frage Alfred Delps steht im Raum: Wird es noch einmal der Fremde sein, der dem entrechteten Menschen aufhilft? Und wieder nicht die Frommen? Wieder nicht die, die sich von Gott haben ansprechen und in Dienst nehmen lassen?

Die Botschaft Jesu liegt auf der Hand: Wer sich als von Gott geliebt erfährt, wer sich diesem Anruf der Liebe Gottes nicht verschließt, sondern öffnet, wer also Gott Glauben schenkt, der gewinnt einen neuen Horizont! Einen Blick auch für die Menschen, die als Gottes Geschöpfe mit ihm leben. Einen Blick nicht zuletzt für die Verletzten und Entrechteten an den Wegesrändern unserer Zeit. Doch wie steht es um diesen Glauben? Geht ihm nicht heute viel zu schnell die Luft aus? Und übersieht er nicht gerade darum, was er eigentlich nicht übersehen darf? Nicht wenige Christen haben sich in ihrem Christsein längst angepasst an die Bedingungen unserer Zeit. Sie wollen nicht weiter auffallen, sich nicht wirklich unterscheiden.

Also sagen sie, was alle sagen; tun sie, was alle tun. So schläft der Glaube langsam ein. Und man läuft vorbei und bleibt das Notwendige schuldig. So gesehen bleibt das Gleichnis vom barmherzigen Samariter die stetige Einladung Gottes an uns, unseren Glauben mit wachem Blick zu leben. Er will uns wachrütteln: Das Wissen um die Liebe Gottes, die uns in Jesus Christus geschenkt wurde, darf uns nicht kalt lassen, sondern muss uns immer neu anspornen, in den Spuren Jesu zu gehen.

Und im Namen jenes Gottes, der ein Freund der Menschen ist, muss es uns in den Ohren klingen, dieses Wort, dass Schweigen (und Wegschauen und Gleichgültigkeit) immer nur den Tätern, aber niemals den Opfern hilft (E. Wiesel)! Dort, wo es um unsere Hinwendung zu den hilfebedürftigen Menschen geht, geht es immer auch um unsere Hinwendung zu Gott, der die Menschen liebt.